Teil des Berichtes: (Hamburg-) Abisko-Ritsem
An diesem Bericht wird ordentlich geschrieben!
Die Anreise
Die allmählich weglaufend hohe Semesteranzahl meines Studiums bringt es mit sich, daß ich keine Klausuren oder ähnliches im Semester zu schreiben hatte. Darüber war ich sehr glücklich und entschied mich für eine sehr frühe Tour beginnend am 5. Februar. Meine Mutter brachte mich spät abends zum Bahnhof damit ich die elendig lange Bahnfahrt antreten konnte. Ich zwängte mein Gepäck in den Regionalzug und die Fahrt begann. Nach mehrfachen Umsteigen in Jütland kam ich mit etwa einer Stunde Verspätung in Kopenhagen an, das begeisterte mich, so sparte ich mir langes Warten im ... Schneesturm (das fängt ja gut an). Der Bahnhof hatte selbstverständlich geschlossen und irgendwie war ich ganz froh über meine Wintertourenausrüstung. Aber auch diese Warterei um 3 Uhr hatte ein Ende. Der Öresundszug war angenehm warm. Im Zug überkamen mich nostalgische Gedanken, daß dies die letzte Zugfahrt mit "Jugend"rabatt sein würde, schon im Sommer bin ich uralt und muß mir eine Erwachsenenfahrkarte kaufen. Diese Überlegungen wurden durch eine schwedische Zollbeamte jäh unterbrochen, "Vet dina föraldrar var du är?" - Dadurch wußte ich immerhin, warum es Jugendrabatt heißt. Ohne Klärung dieser speziellen Frage für sie (das geht mit 25 Jahren doch etwas zu weit) ging die Fahrt weiter und ein paar Stunden später begann ein Tag in Stockholm. Ich besuchte eine Bekannte und besorgte etwas zu essen. Der Zug in den Norden am frühen Nachmittag war leer und jeder konnte sich gut ausbreiten. Dafür blieb er mitten in der Nacht stehen und fuhr erst 6 Stunden später weiter. Abisko erreichte ich so erst im Dunkeln. Eigentlich hatte ich ja noch losfahren wollen, daraus wurde natürlich nichts mehr. Also begab ich mich zum Zeltplatz der Fjällstation. Leicht übermüdet von der Fahrt begegnete ich einem Elch. Ich denke, in diesem Fall habe ich mich mehr erschrocken als der Elch, als ich ihm beinahe in den Hintern lief.
Die ersten Tage
Diese Tour war in gewisser Weise eine Premiere: Noch nie war ich so unvorbereitet. Körperlich, aber auch Tourenplanerisch. Für die erste Etappe hatte ich mir etwa 6-10 Tage vorgenommen, ich wollte mich dann aus Nikkaluokta/Kebnekaise melden. Insgesamt hatte ich in meiner Pulka (55kg) allerdings Essen für etwa 4 Wochen dabei, da ich keine Lust verspürte, irgendetwas einzukaufen. Ächzend zerrte ich die Pulka hinter mir her und in Dunkelheit erreichte ich Abiskojaure. Hier schlug ich das Zelt neben der Hütte (Nationalpark mit Zeltverbot sonst) auf und besuchte die Gruppe, die sich den Schlüssel für die Hütten ausgeliehen hatte, so konnte ich gut kochen und legte mich erholt von der Fahrt in mein Zelt, dort verpennte ich glatt den nächsten Tag. Ein paar Tage später erreichte ich Alesjaure. Hier ungefähr hatte ich körperlich das fehlende Training ausgeglichen, so wichtig ist es also wohl nicht.
Schöne Tage
Ich verliess mein Zelt, das ich etwas entfernt von den Hütten aufgebaut hatte für eine kleinere Tagestour, am nächsten Tag überquerte ich bei etwa -25°C und enormen Wind (natürlich von vorne) den Pass in Richtung Vistas. Über Vistas erreichte ich schliesslich Nallo. Auf einer etwas mißratenen Tagestour versuchte ich erneut mein Glück mit dem Nallo selbst, aber es wurde zu schnell dunkel und dieses Risiko wollte ich nicht eingehen. Nun begann der Weg nach Sälka, hier wurde das Wetter allmählich schlechter und schlechter. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichte ich die Hütten von Sälka, jedoch war es drinnen kälter als draussen und so zeltete ich, obwohl ich eigentlich eine Hüttenübernachtung eingeplant hatte.
Sturm in Hukejaure
Am nächsten Morgen hatte das schlechte Wetter gesiegt, es war etwa 25° wärmer und knapp 0°C. Noch hatte es aber nicht angefangen zu stürmen und auch der Schneefall war im Prinzip unbefindlich, aber es war relativ klar, daß es im Laufe des Tages erheblich schlechteres Wetter werden würde. Ich vermutete, daß der Wind aus Südost kommen würde und ordentlich Schnee mit sich führen müsste. Darum entschied ich mich, direkt nach Ritsem über Hukejaure zu fahren. Statt der Markierung zu folgen (was einen ordentlichen Umweg bedeutet hätte), kürzte ich ab. Bereits jetzt hatte das Unwetter eingesetzt, mit Schnee und Sturm (aus Südwest...). Nach ein paar Stunden war die Lust bei einer Sicht von weniger als 10cm gegen den Wind durch mehr als 1m losen Schnee zu pflügen auf der Strecke geblieben und so zeltete ich etwa 4km vor der Hütte von Hukejaure. Natürlich folgte der Wind mitten in der Nacht meiner Erwartung und stand nun direkt auf mein Vorzelt. Der Sturm nahm noch zu und so verließ ich mein Zelt am nächsten Morgen einmal wieder durch den Hinterausgang (sprich ich zwängte mich hinten unterdurch). Auch heute war die Sicht wieder desaströs, dazu kam aber, daß der Wind den losen Schnee bereits etwas verweht hatte. Mehrere Male fiel ich unerwartet eine kleine Verwehung hinunter. Aber es war nur sehr kurz bis nach Hukejaure. Dort kam ich pünktlich zum Mittag. Die Gruppe, die ich bereits in Abiskojaure getroffen hatte war ebenfalls hier angekommen und aus den Hinterlassenschaften einer schwedischen Schneeskootertruppe wurde hervorragend gekocht (Rührei mit Speck - Nudeln mit Tomaten, Zwiebeln und Speck, Nudeln mit Speck zum Frühstück dazu zu allem Orangensaft und Milch, was will man mehr?).
Nach Ritsem
Gut gesättigt, getrocknet und unterhalten ließ der Sturm nach und die Sonne kam heraus. Unsere Wege trennten sich und ich fuhr in Richtung Ritsem. Dabei geht es ja im Prinzip nur bergab, trotzdem zeltete ich in der Nähe der Sitasjaure-hütte. Diese Nacht war ordentlich kalt. Der restliche Weg nach Ritsem erforderte wenig Zeit, die 15 übrigen Kilomter fuhren sich nahezu reibungsfrei in weniger als zwei Stunden. In Ritsem angekommen gab es eine Dusche in der Hütte, die noch nicht so recht geöffnet hatte.
Berichte und Fotos von Wintertouren